Magento-Update oder Wechsel zu Shopware?
Mittwoch, 14. März 2018

Magento-Update oder Wechsel zu Shopware?

Soll ich von Magento 1 auf Magento 2 updaten oder direkt auf ein anderes Shopsystem wechseln? Als Betreiber eines Magento-Shopsystems stehen sicherlich auch Sie vor dieser Frage. Vor allem die Vielzahl der Sicherheitsupdates für Magento 1 innerhalb der vergangenen Monate, haben die Betriebskosten eines Magento-Shops kontinuierlich ansteigen lassen – ein Ende ist nicht in Sicht. In diesem Artikel vergleichen wir das Update von Magento 1 auf Magento 2 mit einem Umstieg von Magento auf Shopware. Dabei zeigen wir auf, an welchen Stellen der größte Aufwand entsteht und welche Vorteile ein Umstieg für Sie bereithält. 

Was erwartet mich beim Wechsel von Magento zu Shopware

Seit der Veröffentlichung von Magento 2 sind schon 2 Jahre verstrichen und doch hält sich die Anzahl der Installationen des Systems stark in Grenzen. Auch uns ereilen immer wieder Fragen unserer Kunden, ob und wie ein Update von Magento 1.x auf Magento 2.x abläuft, welche Kosten dabei entstehen und immer häufiger auch die Frage, ob nicht ein Wechsel des Shopsystems vorteilhaft wäre.

Magento und Shopware im Kurzportrait

Bevor wir einen Vergleich zwischen dem Update von Magento 1.x auf 2.x einem Wechsel zu Shopware gegenüberstellen, möchten wir zunächst kurz auf die beiden Systeme eingehen.

Magento 2

Seit November 2015 steht Magento in der Version 2 zur Verfügung. Die neue Version des Shopsystems, die der Hersteller als „eine neue Ära der Handelsinnovation“ betitelte, glänzt in erster Linie durch eine stark verbesserte Performance und Skalierbarkeit gegenüber der Vorgängerversion.

Vollkommen neu am Shopsystem in der Version 2 ist: so ziemlich alles. Magento 2 wurde nämlich nicht einfach durch Updates der Version 1 geschaffen, sondern durch eine neue Systemarchitektur.

Hersteller des Systems ist das kalifornische Unternehmen Magento Inc. (bis 2010 noch unter dem Namen „Varien“ tätig). Zwischen 2011 und 2015 war das Unternehmen eine 100%ige eBay-Tochter. Zwischenzeitlich wurde die Magento Inc. durch das europäische Beteiligungsunternehmen „Permira“ übernommen.

Laut einer Umfrage des Magazins t3n vom September 2016, kommt Magento bei 17% der der deutschsprachigen Shopsysteme von kleinen Unternehmen und Mittelständlern zum Einsatz.

Die Community um Magento

Das größte deutsche Event um das Shopsystem Magento ist die jährliche E-Commerce-Konferenz „Meet Magento“  Zudem organisieren sich vielerorts sowohl Anwender als auch Entwickler zu regelmäßigen Treffen.

Preismodell und Versionen

Magento liegt in zwei Versionen vor – der kostenlosen Community Edition (CE) und der kostenpflichtigen Enterprise Edition (EE). Letztere schlägt mit einer Lizenzgebühr ab ca. 14.000,- € / Jahr zu Buche.

Magento – Pro und Contra

Besondere Vorteile des Shopsystems Magento

  • Innovative Systemarchitektur der Version 2.x
  • Verfügbarkeit von über 10.000 PlugIns (über alle Versionen des Systems)
  • Extreme Erweiterbarkeit des Systems durch ein hohes Maß an Flexibilität

Eher negativ hingegen

  • Komplexes System, welches zur Weiterentwicklung ein gewisses Experten-Level voraussetzt
  • Umfangreiche Mindestanforderungen an die Hostingumgebung
  • Vergleichsweise hohe Betriebskosten (Total Cost of Ownership, TCO)

Shopware 5.4

Das Shopsystem Shopware wurde in der ersten Version im Jahr 2004 veröffentlicht und steht sowohl in einer Open Source-Version (Community Edition) als auch in drei kostenpflichtigen Lizenzmodellen zur Verfügung.

Hersteller des Systems ist das deutsche Unternehmen Shopware AG aus Schöppingen. Seit Version 5.x bewirbt der Hersteller sein System unter dem Slogan „emotional shopping on any device“ und geht damit direkt auf die bereitgestellten responsiven Templates in Verbindung mit Funktionen wie bspw. Storytelling ein.

Mit einem Marktanteil von 20%  ist Shopware laut dem Magazin t3n das meistgenutzte Shopsystem in Deutschland.

Die Community um Shopware

Nicht zuletzt durch das Engagement des Herstellers hat sich im deutschsprachigen Raum eine große und eng vernetzte Community aus Betreibern und Entwicklern rund um Shopware gebildet. Das Highlight hierzu ist der jährlich stattfindende Shopware Community Day.

Shopware: Preismodell und Versionen

Shopware steht in vier Versionen zur Verfügung. Angefangen bei der kostenfreien und quelloffenen „Community Edition“, über die Versionen „Professional Edition“ (€ 1.295,- Lizenzkosten) und „Professional Plus Edition“ (€ 5.995,- Lizenzkosten) hin zur „Enterprise Edition“. Für Softwareaktualisierungen bietet der Hersteller eine Subscription an.

Shopware – Pro und Contra

Besondere Highlights an Shopware

  • Sehr einfach bedienbares System, das die Umsetzung von vielen Design-Elementen ohne tiefere Kenntnisse in Programmierung oder weiterer Tools ermöglicht
  • Geringe Time-to-Market durch eine sehr gute Skalierbarkeit, großen Funktionsumfang (out-of-the-box) und modernste Software Architektur
  • Hersteller aus Deutschland und somit Schulungen, Support und Community hauptsächlich in deutscher Sprache

Im Gegenzug als eher negativ zu bewerten

  • Vergleichsweise wenige PlugIns (ca. 1800) erhältlich - PlugIns werden jedoch durch den Hersteller vor Freigabe in den Community-Store geprüft
  • Gewöhnungsbedürftige Abbildung der Mehrsprachigkeit

Magento-Update vs. Systemwechsel zu Shopware

Um den Aufwand eines Updates mit dem eines Systemwechsels zu vergleichen, muss man selbstverständlich immer das jeweilige Shopsystem, dessen Funktionen sowie die Einbettung in Systemlandschaften und Marktplätze ganz speziell betrachten.

Damit man aber dennoch ein Gefühl für den Unterschied zwischen einem Wechsel und einem Update bekommt, möchten wir kurz beide Optionen und die dabei entstehenden Möglichkeiten und Grenzen aufzeigen.

Update von Magento 1.x auf Magento 2.x

Wie bereits beschrieben, baut die neue Version von Magento auf einer vollständig neuen Systemarchitektur auf. Entsprechend komplex stellt sich daher auch das Update von Magento 1 auf Magento 2 dar.

Für das Update sollte man einen Zeitraum von mindestens 4-6 Monaten einplanen. Ein Update-Projekt lässt sich grob in die nachfolgenden Schritte einteilen:

1. Sichtung des Systems, Anforderungserhebung und Analyse

2. Planung der Umsetzung und Zielsysteme

3. Umsetzung

4. Abschließende Tests und Livegang

Können Daten automatisiert übernommen werden?

Magento stellt für die Datenübernahme von Version 1 zu Version 2 ein Tool bereit. Jedoch lässt sich dieses Tool zu Übertragung von Kundendaten, Bestellungen und Produkten nur in den seltensten Fällen ohne Anpassung einsetzen. Berücksichtigt werden nämlich lediglich die Datenbankfelder einer Standard-Installation. Viele PlugIns oder Individualentwicklungen setzen jedoch auf eigenen Datenbankfeldern auf. Um diese zu berücksichtigen, muss das Migrations-Tool erweitert werden.

Wo entsteht der größte Aufwand?

Der größte Aufwand bei einem Update von Version 1 auf Version 2 entsteht an zwei Stellen

  • Templates können nicht übernommen werden.
    Von Magento 1 zu Magento 2 hat sich das Template vollständig geändert. Daher ist es nicht möglich, das bestehende Template zu übernehmen. Templates müssen daher vollkommen neu erstellt werden.
  • PlugIns teilweise nicht kompatibel oder zueinander inkompatibel.
    Viele PlugIns, die für Magento in der Version 1 zur Verfügung standen, können ab Version 2 nicht mehr genutzt werden. Nicht zuletzt durch den vollständig neu konzipierten Cart + Checkout kann hier auch vorkommen, dass spezielle Anforderungen als individuelle Entwicklung umgesetzt werden müssen, um den alten Funktionsumfang wieder zu erreichen.

Wie groß ist der Gesamtaufwand des Updates?

Eine genaue Angabe zum entstehenden Aufwand kann nur durch eine Analyse des Zielsystems abgegeben werden. Jedoch kann nach unserer Erfahrung der Aufwand für das Update von Version 1 auf Version 2 bis zu 150% der initialen Erstellungskosten des Systems in der ursprünglichen Version 1.x betragen.

Wechsel von Magento zu Shopware

Bei einem Systemwechsel von Magento zu Shopware begegnet man natürlich ganz anderen Herausforderungen als bei einem reinen Systemupdate. Dennoch lässt sich ein typischer Systemwechsel auch in ein paar wenige grobe Projektschritte einteilen:

1. Erhebung der Anforderungen an das Zielsystem und aller Anbindungen (WaWi, Kassensysteme, Marktplätze, etc.)

2. Planung einer Ziel-Systemlandschaft

3. Analyse und Planung der Datenübernahme zwischen den Systemen

4. Umsetzung und Testläufe

5. (Stufenweiser) Livegang der Systeme

Können Daten übernommen werden?

Ja, es ist in jedem Fall möglich, Datenmigrationen auch zwischen unterschiedlichen Systemen durchzuführen. Die dafür erforderlichen Skripte sind individuell auf jedes System zu erstellen – zusammen mit der vorausgehenden Analyse und einer nachgelagerten Prüfung der Datenübernahme stellt dies auch einen der größten Positionen bei den meisten Projekten dar.

Wo entsteht sonst noch ein großer Aufwand?

  • Shop-Templates müssen neu erstellt werden
    Ebenso wie bei einem Update von Magento 1 auf Magento 2 müssen die Templates des Zielsystems auch bei einem Systemwechsel vollständig neu erstellt werden. Wir empfehlen in diesem Fall jedoch einen klassischen Relaunch mit einem Facelift bzw. einer Überarbeitung des Shop-Designs durchzuführen.
  • Anbindung externer Systeme
    Neben der Erstellung von Templates kann sich die Anbindung externer Systeme (z.B. Warenwirtschaftssysteme) als sehr aufwändig darstellen. Dies ist jedoch ausschlaggebend von der individuellen Erweiterung der externen Systeme abhängig.

Wie groß ist der gesamte Aufwand eines Systemwechsels?

Wer von Magento 1.x auf Shopware wechselt, steht zwar auf der einen Seite vor der grünen Wiese, kann beim Aufbau eines neuen Shopsystems aber auf der anderen Seite auf seine Erfahrungen mit dem bisherigen System zurückgreifen. In Verbindung mit den leicht zu bedienenden Shopware-Funktionen ermöglicht das ein vergleichsweise schnelles Durchstarten. Abhängig von der Anbindung an bestehende oder neue Warenwirtschaftssysteme, ERP-Systeme, Marktplätze und letztlich auch vom gewünschten Funktionsumfang des Zielsystems, umfasst der Aufwand für den Wechsel von Magento zu Shopware nach unserer Erfahrung ca. 50% bis 100% des Entwicklungsaufwands des ursprünglichen Magento-Systems.

Updaten oder neu durchstarten?

Welcher Weg letztlich der richtige ist, lässt sich nicht pauschal beantworten, sondern bedarf individueller Betrachtung und Kalkulation.

Showare bietet den großen Vorteil, auf die gesamte Laufzeit der Systemnutzung geringere Kosten als Magento zu verursachen (z.B. für Hosting und Updates). Des Weiteren bietet es viele Funktionen bereits im Standard, die beispielsweise in Magento mit der Installation und Konfiguration zusätzlicher PlugIns verbunden sind (z.B. Blogsystem, Storytelling, die umfangreichen Funktionen im Bereich Onlinemarketing).

Auch außerhalb der Technik bestehen Unterschiede: Beispielsweise das Benutzerhandbuch für Magento in der Version 2.x liegt lediglich in Englisch vor und umfasst über 1000 Seiten. Im Gegenzug bietet Shopware eine Dokumentation, Support und Hilfe auf Deutsch an.

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Unser Fazit

Nach aktuellem Stand sehen wir in den meisten Anwendungsfällen, sowohl kurzfristig (zusätzliche Funktionalitäten) als auch langfristig (TCO) Vorteile beim Wechsel von Magento auf Shopware im Gegensatz zu einem Update.

Zudem bietet Magento zwischen der Community Edition (ohne Herstellersupport) und der Enterprise Edition kein Lizenzmodell, weshalb Shopbetreiber im Störungsfall auf einen Support durch die betreuende Agentur angewiesen sind. Dagegen bietet Shopware mit der Professional und der Professional Plus Edition zwei kostenpflichtige, aber direkt unterstützte Lizenzen an.

Die Vergangenheit hat uns gezeigt, dass Shopware auf unkomplizierte Update-Prozesse großen Wert legt. Sicherheitsupdates werden automatisch mit den Minor-Versionen ausgeliefert und Major-Updates sind nicht zuletzt durch die stringenten Vorgaben des Herstellers zur PlugIn-Entwicklung mit einem minimalen Aufwand auch bei sehr umfangreichen Shopsystemen durchführbar.

Neben den Vorteilen, die sich im Funktionsumfang und der Systemperformance zeigen, besticht Shopware durch eine durchwegs klar strukturierte Dokumentation (uneingeschränkt auf Deutsch erhältlich) sowie einem sehr großen, lebendigen Netzwerk aus Betreibern und Entwicklern. Die aktive Beteiligung, Förderung und Kommunikation des Herstellers in den Netzwerken rundet die Infrastruktur rund um das Shopsystem ab.

Wir sehen insbesondere in dieser Nähe zum Hersteller einen unschlagbaren Vorteil des Shopsystems Shopware gegenüber Magento.

Autor: Kevin Goodin

Shopware Magento

Mario Pöschl

Ihr Ansprechpartner:
Mario Pöschl - Webentwicklung und eCommerce-Lösungen

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